Fahrradtrainer im Test: Daum macht das Rennen
Heimtrainer halten fit. Bei jedem Wetter und zu jeder Zeit. Im Test: 15 Fahrradtrainer für 149 bis 1 550 Euro. test.de zeigt die besten Modelle.
Fit strampeln und dabei Sportschau schauen, Diätbücher lesen während die Pfunde purzeln oder mit Shakira auf die Tour de France: Fahrradtrainer machens möglich. Bei jedem Wetter und zu jeder Zeit. Moderne Ergometer ermöglichen sogar das Abfahren realer Strecken. Eine Schnittstelle zum PC überträgt Geschwindigkeit und Leistungsdaten. Auch Wettrennen sind möglich. Via Internet treten Heimsportler aus aller Welt gegeneinander an.
15 Modelle im Test
Gute Ergometer mit PC-Schnittstelle und Leistungsanzeige sind allerdings nicht billig. Preis: etwa 700 Euro aufwärts. Wer auf Schnickschnack verzichtet, bekommt einen guten Fahrradtrainer mit Leistungsanzeige aber auch schon für 300 Euro. Die Stiftung Warentest hat 15 Modelle untersucht. Im Labor mussten sich die Fahrradtrainer vor Technikern beweisen. Sie prüften Drehzahlen- und Leistungsanzeigen. Alle Modelle liefen angenehm leise und rund. Die berührungslosen Bremssysteme funktionierten recht gut. Die Techniker untersuchten die Geräte aber auch auf Schadstoffe in den Griffen. Drei Männer und vier Frauen strampelten außerdem im Praxistest.
Puls mit Brustgurt messen
Ergebnis: Nur sechs von 15 Fahrradtrainern sind insgesamt gut. Der Buffalo Montreux etwa, das billigste gute Gerät mit Leistungsanzeige. Preis: um 300 Euro. Test-Qualitätsurteil: gut, Note 2,2. Das Gerät wird sogar mit Brustgurt für die Pulsmessung geliefert. Die Pulsmessung mit Brustgurt ist die beste Methode. Der Buffalo Montreux zeigt die Trainingswerte zuverlässig und übersichtlich an. Die billigen Fahrradtrainer ohne Leistungsanzeige konnten bei den Testern dagegen kaum punkten.
Onlinerennen mit Bild
Noch mehr Komfort bieten die Kettler Fahrradtrainerund Daum Fahrradtrainer. Beide Testsieger sind mit PC-Schnittstelle ausgestattet. Der Daum Premium 8 hat sogar einen Netzwerkanschluss. Mit der entsprechenden Software und einer Webcam lassen sich Onlinerennen fahren: live, in Farbe und mit Bild. Die Cockpitanzeige des Premium 8 ist besonders übersichtlich und klar. Auch ohne PC. Beste Handhabung im Test. Mit einer maximalen Leistung von 600 Watt ist dieser Fahrradtrainer auch für sehr sportliches Training geeignet.
Testsieger nach neuester Norm
Der Daum Premium 8 kostet allerdings stolze 1 450 Euro. Der Brustgurt für die Pulsmessung kommt noch dazu. Daum liefert zunächst nur einen Ohrclip mit. Nur halb so teuer und ähnlich gut ist der Kettler X 3. Preis um 730 Euro. Wie der Daum Premium 8 funktioniert auch der Kettler X 3 schon nach der neuesten Norm. Reißt das Pulssignal ab, reduzieren die Testsieger den Trittwiderstand binnen einer Minute. Das schützt den Sportler vor Überlastung. Die neue Sicherheitsnorm tritt erst demnächst in Kraft. Die anderen Fahrradtrainer im Test warnen derzeit nur, wenn das Pulssignal verloren geht. Den Trittwiderstand reduzieren sie nicht.
Gefährliche Chemie
Der Kettler X 3 hat gegenüber der Konkurrenz noch einen entscheidenden Vorteil: Seine Handgriffe sind sauber. Frei von verdächtiger Chemie. Bis auf Kettler X 3 und Life Fitness C1 sind alle Fahrradtrainer im Test mehr oder weniger stark mit Schadstoffen belastet. Es sind polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (kurz PAK) und Phthalate. Sie stecken in den Handgriffen. Durch Schweiß gelöst und über die Haut aufgenommen, können die Schadstoffe in den Körper gelangen. Viele PAK und Phthalate gelten als krebserzeugend, fruchtschädigend und erbgutverändernd. Fünf Fahrradtrainer im Test sind sehr stark belastet. Ergebnis: mangelhaft in puncto Schadstoffe und damit auch mangelhaft im Testurteil. Mehr Fitnessgeräte gibt es im decido Online Preisvergleich.
Gut für den Rücken
Eine gute Wahl für Sportler mit Rückenproblemen ist der Kettler RX 7. Hier trainieren sie mit Rückenlehne. Das ist besonders bequem. Der Trend kommt aus den USA. In Deutschland sind so genannte Liegeräder vor allem in Rehazentren beliebt. Liegeräder fürs Wohnzimmer sind relativ teuer. Das Kettler RX 7 kostet etwa 1 400 Euro. Eine Alternative zum Fahrradtrainer sind Crosstrainer. Durch ihre eliptische Bewegung gelten sie als besonders effektiv. Sie trainieren Arme und Beine. Ob Liegerad, Ergometer oder Crosstrainer, grundsätzlich gilt: Ausdauertraining verlangsamt Alterungsprozesse, stärkt das Herz-Kreislauf-System und wirkt positiv auf den Stoffwechsel. Los gehts.
Tipps: So werden Sie fit
* Sportcheck. Lassen Sie sich vom Arzt durchchecken, wenn Sie lange Zeit keinen Sport getrieben haben. Das gilt vor allem für Neueinsteiger. Eine sportmedizinische Untersuchung zeigt mögliche Schwächen am Herz-Kreislauf-System und den Gelenken.
* Trainingsziele. Legen Sie persönliche Trainingsziele fest. Halten Sie Trainingsdauer und Schwierigkeitsstufe möglichst ein. Fahrradtrainer trainieren vor allem die Beine. Auf dem Crosstrainer bewegen Sie den Oberkörper mit. Beide Geräte wirken positiv aufs Herz-Kreislauf-System.
* Schritt für Schritt. Gehen Sie das Training langsam an. Muskeln, Bänder und Gelenke müssen sich erst an die Belastungen gewöhnen. Wer sich überlastet, riskiert seine Gesundheit und verliert schnell den Elan. Steigern Sie die Belastung Schritt für Schritt.
* Puls messen. Überwachen Sie Ihre Belastung beim Training mit Hilfe des Trainingscomputers. Er zeigt beispielsweise die Pulsfrequenz. Verwenden Sie den Pulsmesser möglichst mit Brustgurt. Ohrclips sind eine Alternative, Handschalen sind ungenauer.
* Kalorien. Einfache Fahrradtrainer zeigen oft den Kalorienverbrauch an. Ein netter Gimmick, aber keine Basis für einen soliden Trainingsplan. Die Anzeige ist nicht genau. Wichtige persönliche Faktoren bleiben außen vor. Die Leistungsanzeigen der hochwertigen Fahrradtrainer sind meist besser.
So trainieren Sie richtig
* Einstellen. Stellen Sie den Fahrradtrainer auf Ihre Körpergröße ein. Der Sattel hat die richtige Höhe, wenn Sie das Pedal am unteren Ende des Kurbelwegs mit der ganzen Fußsohle berühren können und Ihr Bein dabei nur locker strecken. Stellen Sie den Sattel im Zweifelsfall eher etwas niedriger ein als zu hoch.
* Rücken gestreckt. Passen Sie auch Lenkerhöhe und Sattelneigung an Ihre Bedürfnisse an. Trainieren Sie in aufrechter Sitzposition, wenn Sie zu Rückenschmerzen neigen. Wählen Sie dagegen eine leicht nach vorne gebeugte Haltung (Rennradhaltung), wenn Sie betont sportlich fahren. Achten Sie immer darauf, dass Ihre Wirbelsäule gestreckt, nicht gekrümmt ist.
* Schadstoffe. Sie haben ein Modell mit PAK oder Weichmachern in den Griffen gekauft? Diese Schadstoffe können über die Haut aufgenommen werden. Umwickeln Sie die Griffe mit Lenkerband für Fahrradlenker. Helles Lenkerband ist in puncto Schadstoffe am wenigsten verdächtig. Fragen Sie beim Anbieter nach, ob es inzwischen neue, schadstofffreie Griffe gibt. Oder trainieren Sie mit Fahrradhandschuhen. Auch ein Handtuch über den Gerätegriffen hilft.
* Abstand halten. Vorsicht, wenn Kinder in der Nähe sind oder der Hund unter dem Fahrradtrainer schläft. Achten Sie darauf, dass niemand in das Gerät greifen kann oder dem Gerät zu nahe kommt, während Sie trainieren.
* Studio statt Wohnzimmer. Alleine trainieren kann ziemlich öde sein. In Fitnesstudios gibt es Gesellschaft. Gute Studios bieten auch Anleitung zum Training. Kurse wie Rückengymnastik, Feldenkrais, Yoga oder Wassergymnastik halten vielleicht auch Trainingsmuffel bei der Stange.